Die Eidgenossen schafften es (ausser während der Zeit Napoleons von 1798 bis 1815), ihre Neutralität aufrechtzuerhalten, nicht zuletzt deshalb, weil sie sich in einer ausgezeichneten natürlichen Position befanden. Denn unsere engen Gebirgspässe wären selbst für moderne Armeen ein harter Brocken.
Die Gefahr des «göttlich harten», schwierigen alpinen Reliefs («Gotthard») wurde auch vom russischen General Suworow erkannt. Der Gotthard wurde im Herbst 1799 zum europäischen Schlachtfeld. Damals tobte der Zweite Koalitionskrieg, in dem Russland, Österreich und England gegen Frankreich um die Vorherrschaft in Europa kämpften.
Fast unbekannt ist jedoch die Tragödie, die der Schweizer Historiker Ferdinand Gigon in seinem Buch über Alpenpässe erwähnt. Die Geschichte zeichnete nämlich den gewaltsamen Tod von zweihundert Kroaten, regulären Wehrpflichtigen der Habsburger Monarchie, auf. Sie starben am 15. Mai 1800 beim Alpenpass Grosser St. Bernard in der italienischen Gemeinde Saint-Rhémy-en-Bosses, bei einem nächtlichen Angriff von Napoleons Truppen von der Schweizer Seite her.
«Der treue Berthier (der Chef von Napoleons Generalstab, Anm. Z.K.) gibt diese Marschbefehle an seine Untergebenen weiter: ‹Ihr überschreitet den Pass in der Nacht vom 15. auf den 16. Mai›, sagt er. Aber die Vorhut, die in Bourg-Saint-Pierre einen längeren Ruhehalt eingeschaltet hat, legt ein flottes Marschtempo vor und erreicht den Pass am 24. Floreal oder am 14. Mai 1800 und macht auf dem Hospiz Rast. Um zwei Uhr nachts marschiert sie südwärts. In wenigen Stunden hat sie Saint-Rhémy eingenommen und die österreichische Wache – in Wirklichkeit 200 Kroaten – niedergemetzelt, die von den sofort mobilisierten lokalen Verstärkungstruppen schmählich im Stich gelassen wird.»
Diese Kriegstragödie kroatischer Soldaten in unmittelbarer Nähe der Schweizer Grenze, die in Kroatien bis vor kurzem unbekannt war, ist in einem Gedenk-Obelisken verewigt, der im Garten des kroatischen Hauses in Olten steht. Dieser Obelisk ist ein Denkmal, das im Juni 2013 zum 1700. Jahrestages des Mailänder Edikts anlässlich des Jubiläumsjahres des Glaubens errichtet wurde. Er enthält Text in kroatischer und deutscher Sprache. Der deutsche Text lautet:
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J.-Pierre Voutaz, Archivar des Hospiz-Museums auf dem Grossen St. Bernhard, teilte uns zum Tod von 200 Kroaten an diesem Ort am 24.04.2021 auf unsere Anfrage per E-Mail Folgendes mit: «Die Grenze liegt circa 50 Meter südlich des Hospizes. Diese Soldaten sind nicht hier gestorben, wir haben nichts im Totenregister. Vielleicht in Saint-Rhémy (Aostatal, Italien)».
Historische Quellen erwähnen, dass am 8. Mai 1800 (also eine Woche vor den Kämpfen) auf italienischer Seite 200 Soldaten (zumeist Kroaten) in Saint-Rhémy-en-Bosses, und 150 Soldaten und eine Kanone im nahe gelegenen Étroubles standen.
Weiter steht geschrieben, dass die österreichischen Aussenposten in Saint-Rhémy-en-Bosses vertrieben wurden, und dass in Étroubles, an den Hängen der Tête de Crêtes die Kroaten von General Victor Rohan um den 15. Mai 1800 eine Wachkanone aufgestellt hatten, was durch die Entdeckung eines Skeletts mit perforiertem Schädel im Juni 1914 belegt wird; der Fundort befindet sich in der Nähe der Kapelle des neuen Friedhofs.
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Text und Übersetzung: Zlatko Kovačević
Quelle: Libra 52
Quelle Foto: Bonaparte beim Überschreiten der Alpen am Grossen St. Bernhard, 20. Mai 1800


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